Samstag, 11. November 2017

Martini-Markt bei Waldorfens

Wir waren heute auf dem Martini-Markt der örtlichen Waldorfschule.

Jedes, wirklich jedes Klischee wurde erfüllt. Angefangen beim blasierten Geldadel: (man stelle sich nun die Stimme einer offensichtlich sehr gut situierten, völlig überschminkten und overdressed Highfidelity-Pressluftschuppentussi vor) „Hach, weißt Du, wir waren ja dieses Jahr an meinem Geburtstag in Südafrika. Das war so schön dort, das glaubt ihr nicht! Wir mussten ja glatt eine Woche verlängern! Und zu seinem (die Rede war vom Gatten) Geburtstag fahren wir dann nach Kambodscha und Laos...“

Weiter ging es mit der Fraktion der (Lebens)künstler mit selbst gefilzten Klamotten und sehr interessanten Frisuren - und Haarfarben, deren Kinder grundsätzlich mit Doppelnamen wie Jonte-Frederik oder Malte-Laurin gerufen wurden. Ich frage mich, wo diese Menschen im normalen Alltag sind. Auf dem Marktplatz oder im Supermarkt trifft man sie jedenfalls nicht.

Als ich dann am Kuchenbüffet den lactosefreien Käsekuchen mit Dinkelmehlboden zwischen der glutenfreien Schokoladentorte und den veganen Chiasamenpuddinggläschen stehen sah, war ich kurz davor, Schnappatmung zu bekommen.

Allerdings muss ich neidlos anerkennen: Auf dem Gelände mit dem Abenteuerspielplatz wäre ich gerne zur Schule gegangen. Raphael hat es so gut gefallen, dass er nur ohne Schuhe und Hose ins Auto steigen durfte und er zu Hause die Wahl zwischen Kärcher und Badewanne hatte.

Wir gehen nächstes Jahr wieder hin. 😉

Montag, 25. September 2017

Kommentar: Tag 1 nach der Wahl

Parteichefin Petry will nicht mehr mit ihrer Fraktion spielen und macht bei der Pressekonferenz die Weidel. Weidel und die restliche Meuthe fordern sie auf, die Partei zu verlassen. Man fragt sich, ob Gauland nun mit einem kräftigen Hallali und stramm gebundener Dackelkrawatte nun auch die Jagd aus sie eröffnet. 

Die CSU will evtl. eine eigene Fraktion bilden. Wäre dann übrigens die kleinste Fraktion. Netter Gedanke! Klar, man hat die bajuwarische Landtagswahl 2018 im Blick und möchte sich von Mutti emanzipieren. Dass der Spitzenkandidat der CSU Joachim Herrmann kein Mandat im Bundestag errungen hat, lässt schmunzeln. 

Schulz hat sich bereits gestern Abend um Kopf und Kragen geredet und sich als schlechter Verlierer auch für die verbleibende Wählerschaft nicht sympathischer gemacht. Die heutige Wiederholung der Bekräftigung, tatsächlich nicht in die Verantwortung sondern in die Opposition zu wollen, zwingt Jamaika an den Tisch. 

Soweit liegen Grüne und FDP in einigen Punkten nicht auseinander, in anderen überwiegen Ideologien die Sachfragen. Lachende Dritte ist Merkel, sie kann sich genüsslich zurücklehnen und das Ringen zwischen Lindner und Özdemir genießen. Kommt es zu einer Einigung und zur Koalition, bleiben die Erfolge CDU-Erfolge, die Misserfolge fallen, wie seit 12 Jahren, dem Koalitionspartner zu. Auch wenn ich persönlich Jamaika für interessant halten würde und ich den Grünen in vielen gesellschaftlichen Fragestellungen mehr Sympathien entgegenbringe als der CDU , werden FDP und Grüne in vier Jahren geschwächt daraus hervorgehen, egal, wie viel Programmatik man durchgesetzt hat. 

Sollte man sich nicht einigen können... Lindner hat nicht Unrecht, merkte er heute doch an, dass es am ersten Tag nach der Wahl verantwortungslos gegenüber dem Wähler ist, direkt nach Neuwahlen zu rufen. Bliebe eine Alternative. Nein, nicht die für Deutschland, sondern erstmalig auf Bundesebene eine Minderheitsregierung. Dann müsste die CDU sich die Stimmen tatsächlich in der Sache bei der großen Opposition, also bei der GroOp holen und wirklich überzeugen. 

Das wäre doch tatsächlich einmal mutig. Und etwas Neues! 


Schon nach dem ersten Tag steht eines für mich fest: Ich brauche in dieser Legislaturperiode Popcorn. Viel Popcorn!

Mittwoch, 26. Juli 2017

Das erste Zeugnis!

Heute gab es das erste Zeugnis. Die Formulierungen der Lehrerinnen bringen einen doch immer wieder zum Schmunzeln. Grund genug für eine Zeitreise ins Jahr 1985, einmal ins eigene Zeugnis der 1. Klasse zu schauen und es mit Raphaels zu vergleichen.





Da heißt es unter anderem:
"Björn bewies in der Klassengemeinschaft Kontaktfähigkeit und Hilfsbereitschaft. Jedoch fiel es ihm schwer, seinen Äußerungsdrang zu zügeln. Mit den Dingen des Schulgebrauchs ging er meist zweckentsprechend um."
Äußerungsdrang? Ich? Frechheit! Und was heißt hier "meist"?
"Raphaels Verhältnis zu seinen Lehrerinnen war sehr herzlich. Struktur und Ordnung mit Schulmaterialien sind noch eine Herausforderung."

Würde ich sofort unterschreiben! Man könnte aber auch sagen, dass er mit den Dingen "meist zweckentsprechend umging." ;-)

"Björn folgte dem Unterricht sehr interessiert und beteiligte sich durch eigene Beiträge. Bei schriftlichen Arbeiten hatte er jedoch - infolge seiner leichten Ablenkbarkeit - Mühe, die Arbeitsaufträge in der vorgegebenen Zeit und der nötigen Sorgfalt durchzuführen."

"Raphael arbeitete im Unterricht interessiert mit und war mit seinem Allgemeinwissen immer wieder eine Bereicherung für die Klasse. Bei Unterrichtsgesprächen konnte er gut mitarbeiten. Seine Beiträge waren gut formuliert. Kleine schriftliche Arbeitsaufträge konnte er nicht immer durchhalten, da ihm diese Tätigkeit ein hohes Maß an Selbstdisziplin abverlangt."

Tja... Wie sich die Geschichte doch wiederholt. Ein Blick in die eigene Vergangenheit hilft, die Sorgen, Nöte und Besonderheiten des Nachwuchses besser zu verstehen.




Freitag, 7. Juli 2017

Kommentar zu den "friedlichen Protesten" beim G20 in Hamburg

"Friedlicher Protest? Ihr seid nur eins: Terroristen!"

Folgendes Zitat aus Marc-Uwe Klings "Die Känguru-Offenbarung" wird von politisch Linken immer und immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt, um die "traditionellen" Krawalle am 1. Mai oder jetzt anlässlich des G20-Gipfels zu verharmlosen:

»Ob Links-oder Rechtsextremismus – da sehe ich keinen Unterschied.«
»Doch, doch«, ruft das Känguru laut dazwischen. »Es gibt einen Unterschied. Die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos anzünden ist schlimmer. Denn es hätte mein Auto sein können. Ausländer besitze ich keine.«

An die linken Vollidioten, den schwarzen Block, der Hamburg in bürgerkriegsähnliche Zustände versetzt hat und an all die Relativierer:

Bullshit! Unrecht lässt sich nicht mit Unrecht aufwiegen! Und wenn es angeblich nur gegen das Establishment gehen soll, warum werden dann Autos des Roten Kreuzes abgefackelt (siehe Pressemitteilung)? Nennt man das in Kreisen gewaltbereiter Demonstranten mittlerweile zynisch Kollateralschaden? Ebenso die Verletzten, die unbeteiligt waren oder tatsächlich nur friedlich demonstrieren wollten, die von den Chaoten als menschliches Schutzschild mißbraucht wurden? Was ist mit den Ladenlokalen, mit den Einzelhändlern und mit sonstigem Privateigentum, das mitnichten nur "Bonzen" gehört, das zerstört wurde?
Natürlich sei die Polizei schuld an den Ausschreitungen, es habe ja Polizeigewalt gegeben - wird als Argument gerne angeführt. Darauf nur ein "Fuck you!" Wer Bengalos, Feuerwerkskörper, Molotow-Cocktails, Schlagstöcke und andere Waffen mit zu einer Demonstration bringt, war von vornherein auf Krawall aus. Ich habe für diese Chaoten nur Verachtung übrig - und ich meine damit explizit nicht den großen Anteil derer, die lediglich von ihrem Grundrecht zur Versammlungsfreiheit Gebrauch machen wollten.

Mein Mitgefühl den unschuldig zwischen die Fronten Geratenen sowie den verletzten Beamten. Den Helferinnen und Helfern der Hilfsorganisationen wünsche ich eine gesunde Heimkehr und ich hoffe, dass die nächsten Stunden und die kommende Nacht friedlicher verlaufen wird.

Freitag, 16. Juni 2017

Der Beamtenschimmel wiehert

Heute habe ich zwei Zitate, mit denen ich den Blog beginnen möchte:

Zitat 1: "Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu eintausend EURO geahndet werden."

Zitat 2: Meyers Konversationslexikon definierte 1894 „Büreaukratie“ folgendermaßen: „Büreaukratie (franz.-griech., „Schreibstubenherrschaft“), Bezeichnung für eine kurzsichtige und engherzige Beamtenwirtschaft, welcher das Verständnis für die praktischen Bedürfnisse des Volkes gebricht.“

Irgendwann verwalten wir uns zu Tode. Die letzten acht Tage genau so erlebt:

In der Kfz-Zulassungsstelle, nach einer Stunde Wartezeit:

"Guten Tag, ich würde gerne ein Firmenfahrzeug anmelden. Papiere, Versicherungsnummer, Einzugsermächtigung für die Steuer und last but not least aktueller Auszug aus dem Handelsregister, der mich als Einzelvertretungsbevollmächtigten der GmbH und die Verlegung des Firmensitz in den Landkreis bestätigt, habe ich dabei."

Die nette Dame (verkürzt zitiert):

"Tut mir leid, wir benötigen noch die Gewerbeanmeldung. Wir schließen jetzt, kommen Sie morgen wieder."

Gewerbeanmeldung? Da steht nicht wirklich viel anderes als im Handelsregisterauszug. Aber nun ja, im Büro die Akten gewälzt, am nächsten Tag wieder zur Zulassungsstelle, zur Sicherheit mit dem dicken Ordner mit allen evtl. relevanten Firmenunterlagen wie Gewerbeanmeldung, Steuerunterlagen, Handelsregisterauszügen usw. Man weiß ja nie! Da erhielt ich dann folgenden Hinweis, dass bei der Firma ja eine Sitzverlegung stattgefunden hat.
"Ja", erwiderte ich, "sagte ich gestern bereits. Und das steht ja genau so im Handelsregisterauszug". Das reicht aber nicht, belehrte mich die Dame. Ich müsse jetzt das Gewerbe an der alten Adresse ab- und an der neuen Adresse anmelden. Ausnahmsweise würde sie aber die alte Gewerbeanmeldung akzeptieren, ich könne das Fahrzeug zulassen. Yay, welch Freude!

Wie es der Zufall will, kam jetzt die amtliche "Aufforderung zur Erfüllung der Meldepflicht" gem. § 14 der Gewerbeordnung. Die Nichtmeldung sei eine Ordnungswidrigkeit und könne mit einer Geldbuße bis zu 1.000 € geahndet werden.

Ernsthaft? Unsere Behörden schaffen es nicht, sich derart zu vernetzen, dass so ein bürokratischer Unsinn vermieden werden kann? Selbst wenn ich die Anmeldung (trotz Eintragung im Handelsregister) noch nachvollziehen könnte: Man muss sich trotzdem noch in der vorhergehenden Stadt aktiv abmelden? Es ist also zu viel verlangt, dass sich Behörde A mit Behörde B in Verbindung setzt und sagt: "Pass ma auf Kollege, die Firma ist jetzt bei uns!"?

Ich kann das ganze auch nicht digital erledigen (zumindest in den hier beteiligten Kommunen, es mag sein, dass das anderswo anders geregelt ist), man muss sich ja persönlich ausweisen bei der Anmeldung? Wir sprechen von einem digitalisierten Zeitalter, meißeln aber buchstäblich unsere Gesetze und Arbeitsabläufe der Verwaltung in Steintafeln?

Immer wieder erinnere ich mich an die Szene bei Asterix mit dem Haus, das Verrückte macht. Nur bei uns ist es ein ganzer Staatsapparat, der dem Volk bürokratische Hürden in den Weg legt.

#wiehernderBeamtenschimmel #Entbürokratisierung #Vernetzung #Digitalisierung