Freitag, 25. September 2009

Intelligenz per Namensgebung: Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose

Wie seht ihr das? Seid ihr mit eurem Namen auch gestraft? Oder habt ihr das Glück, Sprösslinge der geistigen Elite zu sein und dementsprechend intellektuell klingende Namen? Welche Namen sind für euch mit "Verhaltensauffälligkeiten" verbunden? Welche Vorurteile pflegt ihr?
Ich selbst habe das zweifelhafte Glück vieler Mitte/Ende der 70er zur Welt gekommenen, deren Eltern Tennis-Fans waren und bekam den Namen "Björn" verpasst. Die Ü30er wissen, dass Björn Borg nicht nur Unterwäsche verkauft sondern auch mal ein passabler Tennisspieler war. Man sollte meinen, meine sportliche Zukunft wäre mir somit in die Wiege gelegt worden, aber... Nun ja, lassen wir das. Es genügt wohl zu sagen, dass ich schon bei der Bundeswehr Sportabwehrsoldat war.
Andererseits assoziiert man mit vielen Namen auch gleich die Herkunft oder die Intelligenz eines Menschen. Ich habe noch keinen intelligenten Ingo kennengelernt (vielleicht ist die Werbung schuld... Super, Ingo!), sehe bei Uschi eine wasserstoffblonde Friseuse vor mir und habe auch so mit einigen der heute die Hitlisten anführenden Kindernamen so meine Probleme.
Meine derzeitigen Favoriten unter den "No-Go-Namen" sind die meisten der "tsch" oder "sch"-Namen, die von übergewichtigen Mamis quer über den Spielplatz gebrüllt werden. Man sieht die Mutter, man sieht das Kind und vor dem geistigen Auge sieht man die Hartz VII-Empfänger von 2020.
Also Tschennifär, Tschakeline, Schanette, Schantal, Tschulijette, Tschastin, Tschulian... Diesen Kindern spreche ich einfach die Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft ab, sie sind mit diesen Namen definitiv benachteiligt. Es scheint nicht nur mir so zu gehen, wenn man folgendem Spiegel-Artikel glauben schenken darf:
Sophie und Alexander haben Glück: Ihre Lehrer halten sie für leistungsstärker als Kinder, die Chantal oder Justin heißen. Eine Studie zeigt, dass Grundschulpädagogen Vorurteile gegen bestimmte Vornamen hegen - und manche Kinder deswegen sogar als besonders verhaltensauffällig einstufen.
Sie sieht umwerfend aus, sie setzt sich für die Armen und Schwachen ein, sie ist reich, sie hat eine tolle Karriere gemacht. Über Angelina Jolie lässt sich viel Gutes sagen. Allerdings taugt sie nicht zum Vorbild, wenn man auf Namenssuche fürs eigene Kind ist. Wer seine Tochter Angelina nennt, verbaut ihr unter Umständen eine reibungslose Schulkarriere.
Denn Grundschullehrer trauen kleinen Angelinas einfach weniger zu als kleinen Hannahs, Sophies, Charlottes, wie eine Studie der Universität Oldenburg zeigt. Einen noch schlechteren Ruf haben allerdings Chantals und Mandys.
Die Studie ist die Master-Arbeit von Lehramtsabsolventin Julia Kube, 24. Sie hat 2000 Lehrer online zu ihren Namensvorlieben und den zugehörigen Assoziationen befragt. Darunter Fragen wie: Welche Vornamen würden Sie Ihrem Kind auf keinen Fall geben? Nennen Sie Namen, die bei Ihnen Assoziationen zu "Verhaltensauffälligkeit" hervorrufen! In einem zweiten Schritt ließ Kube die Lehrer dann vorgegebene Namen bewerten.
[...]
Als eher freundlich und leistungsstark gelten den Grundschullehrern Jungen mit den Namen Alexander, Maximilian, Simon, Lukas und Jakob. Positiv bewertete Mädchennamen sind Charlotte, Nele, Marie, Emma und Katharina.
Auffällig schlecht bewerten die Lehrer die Namen Chantal, Justin, Dennis, Marvin und Jaquelin. Doch die Höchststrafe für Kinder lautet nach Ansicht der Grundschulpädagogen Kevin. Er führt die Rangliste der unbeliebten Namen an, gilt als verhaltensauffällig und leistungsschwach. Eine befragte Lehrerin kommentierte: "Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose."
[...]
Quelle: Spiegel.de
Weiterführende Literatur: Kevinismus