Montag, 12. Oktober 2009

Wenn einer eine Reise tut...

Heute morgen um 4 Uhr wurde ich unsanft durch das dröge *mööp möööp mööp* meines Weckers aus dem dank Unwetter ohnehin schlechten und nicht sonderlich ergiebigen Schlaf gerissen. Und warum? Genau, ich musste nach Berlin.

Um kurz vor 5 mit meiner Frau ins Auto, ab auf die Autobahn und um 5:35 Uhr dann am Stuttgart Airport angekommen. So, jetzt wird der Germanwings-Schalter gesucht. Ich muss dazu sagen, ich habe beim Terminal 4 das Auto an meine Frau übergeben... Und wo ist der Germanwings-Schalter? Klar! Nicht im Terminal 4, nein, der ist im Terminal 2... Also die 87.431 km Fußweg hinter mich gebracht um einchecken zu wollen. Vor mir ein Paar, das wegen 5 kg Übergepäck rumgezervt hat. Die 5 kg Übergepäck haben 50 € Aufpreis gekostet... Sie, dieser Sahel-Zone-Hungermodell-Verschnitt wirft mir einen Blick zu, den ich mal als anklagend empfand: "Und der Kerl muss nicht mehr zahlen, obwohl er mehr als das doppelte wie ich wiegt?" Nun ja, vielleicht bildete ich mir das auch nur ein, gesagt hat sie es jedenfalls nicht. Nicht laut zumindest. Ach ja, das Boarding war natürlich im Terminal 3. Überflüssig, das zu erwähnen.

Gegen 6:15 Uhr dann das Boarding... Reihe 16, Sitz C. Ich gehe so durch die Reihen... 11, 12, 14, 15.. ah, da ist mein Platz (am Gang)... Und was fiel uns auf? Ja genau, die Reihe 13 gibts tatsächlich nicht im Flugzeug! Etwas erschüttert war ich dann, als in dieser Reihe noch zwei weitere gut gebaute Männer beinahe meines Kalibers sitzen. Nun ja, mit Schuhlöffeln und dem Wunsch nach einer großen Dose Vaseline haben wir unsere Luxushintern in die Sitze gequetscht. Anschnallen... Das nächste Problem... Mit Bauch einziehen und Luft anhalten hab ich den Gurt zubekommen. Und ja, mir ist das wirklich peinlich. Aber wartet mal ab, die Geschichte wird noch besser!

Irgendwann kam die zweite Busladung am Flugzeug an, jede Menge Menschen stürmen die Maschine. Steht ein Mitbürger vor mir und muffelt mich an "Eh, das ist mein Platz!" Ich schau auf meine Boardingkarte, vergleiche sie mit seiner und sage "Nö, das ist meiner, ich war zuerst da." Der gute hatte auch 16 C auf dem Ticket stehen... Kurze Zeit darauf löste sich das Problem mit der Durchsage der Saftschubse: "Es tut mir leid, dieses Flugzeug fliegt nach Berlin. Die Flugpassagiere nach Wien müssen wieder aussteigen, der Busfahrer ist zur falschen Maschine!" Schallendes Gelächter quittierte diese Aktion verständlicherweise. Es ist also definitiv doch möglich, ein falsches Flugzeug zu erwischen!

Nach dem dann die "richtige" zweite Busladung kam, stellte ich zu meiner Erleichterung fest, dass die Sitzreihe vor uns freigeblieben ist. Die Saftschu... äh... Stewardess nett angelächelt und gefragt, ob wir uns etwas umsetzen dürfen. Klar, kein Thema. Also ich eine Reihe nach vorn, ab an den Fensterplatz und dann... Ähm... Ist der Gurt am Fenster kürzer als der am Gang??? Tatsächlich, ich hab den Gurt nicht zubekommen. Schadensfrohes Gelächter aus der Reihe hinter mir... Also dezent vor mich hinfluchend in der Reihe 15 auf den Mittelgangplatz. Und was soll ich sagen? Der Gurt passte auch nicht! Spontan schien sich mein Bauchumfang um weitere 20 cm vergrößert zu haben! Total entnervt hab ich den Steward gebeten, mir doch eine... jetzt wirds oberpeinlich... Gurtverlängerung zu bringen!!! Den Wink mit dem Zaunpfahl hab ich verstanden, ich bin zu dick. Die untrüglichen Zeichen, dass Hosen, die vor 4 Monaten mit Müh und Not vom Gürtel gehalten wurden und jetzt ziemlich knapp sitzen hätte ich vielleicht nicht ignorieren sollen... *seufz* Zu meiner Ehrenrettung: Das Problem haben viele, wie ich mir von leidgeplagten Reisekollegen sagen lies. Dennoch: OBERPEINLICH!!! Im Flugzeug nach einer Gurtverlängerung fragen zu müssen ist die Höchststrafe!

Na gut, irgendwann nach einem etwas turbulenten Flug (ja, es war stürmisch) am Nabel der Welt gelandet. Berlin-Schönefeld-Airport. Nach weiteren 85.988 km Fußweg und allerlei Umsteigen in den öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich 3 km vor dem Hotel total entnervt klatschnass in ein Taxi gestiegen, es hat geschüttet wie aus Kübeln. Um 10:50 Uhr am Hotel angekommen, meint die Rezeptionistin, dass mein Zimmer leider noch nicht fertig sei, ich könne aber meinen Koffer hier lassen. ZU GNÄDIG!!!

Auf die Frage, wo denn die Carstennstraße sei, meinte sie: "Ach, das ist nicht weit, vielleicht 15 Minuten zu Fuß". 15 Minuten zu Fuß im Regenguss können ganz schön lang sein. Um 11:15 Uhr komm ich also am GS an, triefend nass, übernächtigt, gereizt und richtiggehend entnervt...

Und morgen das ganze Spiel rückwärts, man darf also gespannt sein.

Mein bisheriges Fazit: Das nächste mal fahr ich Auto! Das hätte auch nicht wesentlich länger gedauert, wäre ich um 5 Uhr losgefahren, hätte ich es bis 12, 13 Uhr auch schaffen können. Und vermutlich wäre ich jetzt nicht am Rande eines Erschöpfungszustands und wesentlich gelassener am Ziel angekommen.