Mittwoch, 12. Mai 2010

Ausgekleidet

Nein, dieser Beitrag hat nichts mit Nudismus oder sonstigen Schweinereien zu tun.

Vor einigen Wochen erhielt ich ein nettes Schreiben von der Bundeswehr. Man teilte mir mit, dass meine Beorderung als Reservist aufgehoben sei und ich doch bitte die mir zur Aufbewahrung übergebenen Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke aus Bundeswehrbeständen vollzählig sowie in sauberem und einwandfreiem Zustand abzugeben habe.

Vollzählig, sauber, einwandfreier Zustand. Das waren dann doch einige Worte, die mich ins grübeln brachten. Es war im Februar, im Jahre des Herren anno domini 2001, dass ein junger Soldat nach einem mehrjährigen Gastspiel seinen Spind räumte und alles in einen großen, grünen Sack stopfte. Just an diesem Tag wurde dieser Seesack das letzte mal geöffnet, da die Bundeswehr es in den vergangenen 9 Jahren nicht auf die Reihe gebracht hatte, mich zu einer Wehrübung einzuladen. Berührt wurde der Seesack nur bei Umzügen, um von einem Keller in den nächsten zu wandern.

Nachdem ich heute morgen die privaten Dinge aus dem Sack geräumt habe (es ist unglaublich, was man knapp 10 Jahre nicht vermisst hat, nun aber keinesfalls wegwerfen will), machte ich mich auf den Weg zur Kaserne in Calw. Vor mir ein Typ, der sich grade mal halbwegs klar artikulieren konnte, hinter mir einer mit einem Hare Krishna Zopf bis zum Hintern und einige weitere sehr dubiose Gestalten. Alle mit einem Seesack. Dazwischen ich, der heute morgen neidlos anerkennen musste, dass sein 10 Jahre jüngeres ich deutlich weniger Bauchumfang hatte.

Mein Lieblingsspruch aus dieser Zeit als Schleifer fiel mir wieder ein: "Und damit soll man einen Krieg gewinnen...?" Wenn das heute ein repräsentativer Durchschnitt der deutschen Reservisten war, beglückwünsche ich mich noch im Nachhinein zu meiner Entscheidung, keine Berufssoldatenlaufbahn angestrebt zu haben sondern nach einigen Jahren gegangen zu sein.Oder um es mit Heines Worten zu sagen: Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.

Jedenfalls, nachdem ich ein Sammelsurium an Ausrüstungsgegenständen und Uniformteilen auf dem Tresen verteilt hatte, fiel auf, dass ich von einigen Dingen viel zu viel hatte. Sei's drum, ich brauch das Zeug nicht mehr. Großzügig überlies ich die überzähligen, vielleicht irgendwann einmal privat beschafften Uniformteile der Bundesrepuplik Deutschland. Leider zeigt sich der Staat im Gegenzug nicht ganz so großzügig. Im Gegenteil, er reagiert regelrecht zickig, denn ich erwarte jetzt eine Rechnung über sagenhafte 13,21 €, weil ein paar Kleinigkeiten gefehlt haben! Nun denn, was tut man nicht alles, damit wir Griechenland retten können... pardon... damit der Staatshaushalt saniert wird.

Die sogenannte Leibwäsche, die Kampfstiefel, Sportschuhe, Taschentücher und Badepantinen darf man übrigens behalten. Allerdings verpflichtet man sich schriftlich dazu, diese Teile noch mindestens drei Jahre aufzubewahren! Nun ja, wenn der böse Taliban kommt, bewerfe ich ihn mit Badelatschen. Das ist sicher kriegsentscheidend...

Kommentare:

  1. Nachdem ich nun durch mehrere Einträge mit Schmunzeln durch bin, möchte ich dir danken für die lockere Art, sie tut gut, lässt immer wieder den Kopf in einen Nickrhythmus verfallen und versüßt das Lesen
    Flo

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  2. ... und ich grübel gerade, was es denn bloß für 13,21 € gibt, dass es sich lohnt,es dem Staat vorzuenthalten...

    Gerade in dieser schweren Zeit...*g!

    Aber hast ja brav Buße geleistet, nachdem Du aufgeflogen bist...

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  3. Aach, das erinnert mich an was. Bei mir habe zum Beispiel diese praktischen Zurrgurte gefehlt - die halten immer noch meine Isomatte zusammen. Jedenfalls musste ich rund 30 Euro überweisen. Zwei Wochen später hat das die Bundeskasse dann wieder zurück auf mein Konto transferiert. Man könnte also die Vermutung anstellen, dass das Loch im Bundeshaushalt zu einem beträchtlichen Teil durch ausgekleidete Reservisten verursacht wurde ...

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