Montag, 21. Juni 2010

Schübe


Drei Monate sind um - und sie sind endlich da. Nicht, dass man sie eingeladen hätte, sie kommen einfach so auf Besuch vorbei! Die Augenringe sind gemeint.

Wenn man der einschlägigen Fachliteratur glauben darf, befindet sich unser Sohnemann derzeit im sogenannten 12-Wochen-Schub. Dieser steht in direkter Folge zum Acht-Wochen-Schub und der 19-Wochen-Schub ist absehbar. Die Dauer eines Schubes wird zwischen ein, zwei Tagen bis zu ein, zwei Wochen angegeben. Es "schubt" ganz schön in letzter Zeit.

Wie sich dieser 12-Wochen-Schub äußert? Nun ja, das Kind erfüllt jegliches Klischee, jeden Albtraum, den werdende Eltern haben. Aus dem Knuddelbaby wird ein kleines Monster. Er spuckt und brüllt, er schläft nicht oder vielmehr nur unter großem Protest und nur mit mütterlichem Körperkontakt. Wehe, die Mama bewegt sich oder geht des Nächtens gar auf die Toilette. Das Wutgeheul klingelt jetzt noch nach... Papa findet man sowas von doof. Wenn er einmal eine gute Phase hat, bleibt er auch tatsächlich mal eine Viertelstunde bei Papa, ansonsten will man aber nur bei der Mama bleiben. Dort am liebsten an der Brust. Das kann ich als Mann prinzipiell nachvollziehen, verstehe aber durchaus, dass das auf die Dauer lästig werden kann. Am Tag gehen 6-10 vollgespeite Bodys über den Tresen bzw. den Wickeltisch, die Couch ist zum Glück aus Leder und damit abwaschbar. Der Hund flüchtet freiwillig entnervt in den Flur und ich möchte mittlerweile den Boden Küssen, auf dem meine bessere Hälfte wandelt. Für diese Nervenstärke gehört ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Gebetsmühlenartig wiederholt man das Mantra: Das ist völlig normal, da muss man durch, bald ist auch diese Phase vorbei... Das ist völlig normal, da muss man durch, bald ist auch diese Phase vorbei... Nicht, dass diese Erkenntnis wirklich helfen würde. Erfahrenen Müttern liegt jetzt aller Wahrscheinlichkeit mit süffisantem Grinsen ein "Na dann wartet erst einmal das zahnen ab!" auf den Lippen. Grundgütiger, ich will gar nicht daran denken. Aber bekanntlich wächst man ja an seinen Aufgaben.

Als Papa bleibt einem nur eines: Tief durchatmen! Und auf bessere Zeiten hoffen. Und sich ins Gedächtnis rufen, dass es die Mama noch wesentlich schwerer hat und sie unterstützen. Ich lasse mich gerne mal eine halbe Stunde anbrüllen, damit sie einfach in die Wanne kann, etwas relaxen. - In Ordnung, ich gebe es zu: Das "gerne" war gelogen.

Ach ja: Der Fliegergriff wird bei einem Sechskilokind zu einem prima Workout. Pro Seite 15 Minuten und man hat auch am nächsten Tag im Büro noch etwas davon!

Aber wie Mittermeier so schön sagt: "Wenn's Dich dann einmal anlacht..." Und tatsächlich, es entschädigt für alles!