Mittwoch, 12. Dezember 2012

Formulierungshilfen für Strategieprozesse


Strategieprozess – das Wort ist in aller Munde. Prof. Dr. W. Orthülse, anerkannter Linguistikwissenschaftler mit Lehrstuhl an der Universität Phrasen/Dreschen, analysierte die Strategieprozesse großer Verbände der vergangenen 40 Jahre und konnte diverse Schlüsselbegriffe ausfindig machen, die in jedweder Art von Strategiepapier elementare und unverzichtbare Bestandteile darstellen.

Das „automatische Schnellformulierungssystem“ stützt sich auf eine Liste von 30 sorgfältig ausgesuchten Elementen.

Adjektiv

Subjekt-Anfang
Subjekt-Ende
0   interkulturelle
0   Führungs-
0   –struktur
1   integrierte
1   Organisations-
1   –kriterien
2   permanente
2   Management-
2   –ebene
3   systematisierte
3   Krisen-
3   –tendenz
4   progressive
4   Durchlässigkeits-
4   –konzeption
5   funktionelle
5   Ehrenamtlichkeits-
5   –phase
6   orientierte
6   Migrations-
6   –problematik
7   synchrone
7   Einsatzformations-
7   –flexibilität
8   qualifizierte
8   Leitungs-
8   –ansprüche
9   konsequente
9   Öffnungs-
9   –orientierung 

Die Handhabung ist einfach. Denken Sie sich eine beliebige dreistellige Zahl und suchen Sie die entsprechenden Wörter in jeder Spalte. Die Ziffern 019 ergeben zum Beispiel „interkulturelle Organisationsorientierung“, die Ziffern 357 „systematisierte Ehrenamtlichkeitsflexibilität“. Ausdrücke, die praktisch jeder Abhandlung, jedem Bericht und jeder Rede eine entschiedene, von Fachwissen geprägte Autorität verleihen und dabei verschleiern, dass seit Jahrzehnten bekannte Problematiken lediglich in neue Begrifflichkeiten gepresst werden und die neu aufgezeigten Lösungswege ebenso altbekannt sind – in der Praxis jedoch nie umgesetzt wurden.

„Die meisten werden nicht im entferntesten wissen, wovon Sie reden“, sagt Prof. Dr. W. Orthülse. „Aber entscheidend ist, dass niemand es wagen wird, es zuzugeben.“